Zeiten ändern sich

In meinem Leben habe ich bisher alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte:

  • Ich habe das Abitur ohne Probleme absolviert.
  • Ok, beim Führerschein hab ich 'ne Extrarunde gedreht.
  • Die Ausbildung zur Fotografin war hart und es sind viele Tränen geflossen - aber ich habe sie in verkürzter Zeit geschafft.
  • Den Fotografenmeister habe ich direkt hinterher geschoben.
  • Nach dem Meister ein eigenes Fotostudio eröffnen? Jup.

 

Ich habe es durchgezogen und hatte Spaß dabei, auch wenn es viele schwierige Zeiten gab. Aus allen Lebensphasen konnte ich etwas lernen - und darum geht es doch im Leben, oder? Aber schon seit einiger Zeit bin ich in meinem Beruf nicht mehr glücklich. Versteht mich nicht falsch, ich liebe die Fotografie. Und ich liebe vor allem den Kundenkontakt: das Plaudern, die unterschiedlichsten Charaktere kennenzulernen, manche Menschen über Jahre hinweg begleiten zu dürfen - das alles erfüllt mich mit großer Freude.

Dann sind da aber auch die Kunden, die an allem etwas zu meckern haben. Der ganze bürokratische Kram, der bei einer Selbstständigkeit anfällt. Die (wirklich sehr vielen) Rechnungen, die gezahlt werden müssen. Nicht zu wissen, ob das Geld diesen Monat für alles reicht. Die sehr unregelmäßigen Arbeitszeiten. Dass man des Geldes wegen auch Aufträge annehmen muss, die einem absolut keinen Spaß machen.

Das sind alles Dinge, die mich in letzter Zeit wirklich fertig gemacht haben. Und dann geht auch der Spaß an der eigentlichen Arbeit, dem Fotografieren, verloren. Deshalb habe ich mich sehr viel mit mir selbst beschäftigt, mich gefragt, was ich eigentlich möchte, wie es weitergehen soll. Schon seit Monaten habe ich mich nach einem neuen Job umgeschaut; dank Corona hat sich das Ganze allerdings wieder sehr weit nach hinten verschoben. Der Plan war, etwa 30 Stunden pro Woche fest angestellt zu sein und die Fotografie noch nebenbei weiter zu führen - und genau dieser Plan ist nun endlich aufgegangen!

 

Ich bin nicht besonders abergläubisch. Aber ich fand den Gedanken sehr schön, an meinem 31. Geburtstag nicht nur in ein neues Lebensjahr, sondern in einen neuen Lebensabschnitt zu starten. Im Jahr 2011 habe ich an meinem Geburtstag mein Gewerbe angemeldet und nun, 9 Jahre später, hatte ich am 14. September meinen ersten Arbeitstag in meinem neuen Job. Dieser Job hat ganz bewusst nichts mit Fotografie zu tun, damit ich die Leidenschaft für diesen tollen Beruf wieder zurückgewinne. Ich möchte mich wieder auf Fotoshootings freuen können, wieder mehr experimentieren, neue Locations mit euch entdecken und Spaß haben.

 

Die Übergangsphase ist momentan nochmal richtig schlimm. Seit Wochen stauen sich die Aufträge, weil ich im neuen Job alles gebe und danach noch fast jeden Tag bis sehr spät abends im Studio sitze, um Fotos zu bearbeiten, und trotzdem komme ich nicht nach. Achja, und dann möchten viele Leute ja auch noch Pass- und Bewerbungsfotos haben. Und die Konfirmation, die im Frühjahr nicht stattfinden konnte, wurde jetzt nachgeholt. E-Mails müssen auch beantwortet werden. Und übrigens läuft der Leasingvertrag von meinem Auto in zwei Wochen aus und ich habe einfach keinen Kopf dafür, mich über Alternativen schlau zu machen.

Jetzt habe ich die Reißleine gezogen und nehme für Oktober keine Termine mehr an. Weil ich endlich alles wegarbeiten möchte. Weil ich nicht mehr kann. In Zukunft werde ich sehr viel weniger Fototermine annehmen, um lange Wartezeiten für meine Kunden zu vermeiden und um auch noch Zeit zu haben, um meine Familie und Freunde hin und wieder in entspannter Atmosphäre sehen zu können. Dieses Ziel ist in Reichweite und ich bin mir sehr sicher, wenn ich es erreicht habe, werde ich es sehr genießen.

Und wie geht es dann weiter? Das wird sich zeigen. Ich war schon immer offen für Neues und liebe es, neue Erfahrungen zu sammeln, neues zu lernen und mich persönlich weiter zu entwickeln. Mein neuer Job gefällt mir sehr gut und ich fühle mich dort wohl und das ist für mich momentan das Wichtigste. Wenn du bis hierhin gelesen hast, bist du vermutlich ein Freund, ein lieber (Stamm-)Kunde oder jemand, der mich im Laufe meiner Selbstständigkeit schon unterstützt hat. Und dafür sage ich: Danke!